Montag, 31. März 2025

Grundsätzliches über Abreißkalender

An welchem Punkt in meinem streng strukturierten Tagesablauf reiße ich eigentlich das aktuelle Tageskalenderblatt runter? Ich will es verraten: So lange ich denken kann, tu ich dies am Morgen, vor oder nach dem Frühstück. Jetzt allerdings wurde mir klar, dass das von den Abreißkalendermachern so nicht vorgesehen ist. Man soll vielmehr am Abend eines jeden Tages – bevor man schlafen geht – weiterblättern. Am Ende von Tag X soll man mithin die Vorderseite des Blattes von Tag X+1 sehen. Indiz: Am Sonntagmorgen riss ich gewohnheitsmäßig das Blatt vom Samstag herunter und bekam dies präsentiert:

"Heute Nacht", i.e. in der Nacht von Sonntag zu Montag, erfolgte die Zeitumstellung aber nicht, sondern wie immer von Samstag auf Sonntag. Ich hätte somit, um rechtzeitig über den Beginn der Sommerzeit informiert zu werden, am Vorabend das Blatt vom 29. März entfernen müssen. Sorry, das bringe ich nicht über mich – dann zeigt mein Kalender ja ein paar Stunden lang ein falsches Datum an! (Es sei denn, ich gehe nach Mitternacht zu Bett.)

Noch etwas ist zu monieren. Der Igel fordert uns auf, "heute Nacht die Uhr um eine Stunde vor[zu]stellen". Wer tut das? Gewiss, offiziell springen die Stundenzeiger um Punkt 2 eine Stunde nach vorn, aber die Menschen im Lande bringen doch nicht zu dieser unchristlichen Zeit ihre Chronometer auf den korrekten Stand. In der Regel tun sie das am nächsten Morgen, Vormittag oder noch später. (Ich habe meine Armbanduhr wegen Verpeiltheit sogar erst am heutigen Montag vorgestellt.)

Auch das Kalenderblatt vom Freitag wollte bereits am selben Tag (Freitag) gelesen werden, bezieht es sich doch mit dem Wort "morgen" auf etwas, das am Samstag stattfinden würde.


Ich jedoch las den Text erst am Samstag und musste folglich glauben, die Earth Hour wäre für den Sonntag angesetzt. Dass die Earth Hour weder am 28. noch am 29.3. stattfand, sondern bereits eine Woche zuvor stattgefunden hatte (das war wohl nach Redaktionsschluss geändert worden), steht auf einem anderen, höhö, Blatt ...

Samstag, 29. März 2025

Die karibische Kartoffelkatastrophe

Ich wollte gestern Ducana zubereiten, ein beliebtes Gericht aus dem Inselstaat Antigua und Barbuda. Es handelt sich um rohe Klöße auf Süßkartoffelbasis, die eingewickelt im Wasserbad gesotten werden. Ich bediente mich folgender Rezeptur, wobei die Mengenangaben Idealwerte sind; die von mir verwendete Süßkartoffel wog etwas weniger, so dass ich die Masse der übrigen Zutaten (nach Dreisatz!) entsprechend anpasste. Mag dies den Ausschlag für das (Spoiler) Misslingen gegeben haben? Nun, hier jedenfalls die von mir durchgeführten Schritte, die zum gewünschten Ergebnis hätten führen sollen.

Ich schälte eine Süßkartoffel von 350 g (wie gesagt, de facto waren's etwas weniger) und raspelte sie mit einer Vierkantreibe. Kartoffeln schälen ist ja schon meine mit Abstand ungeliebteste Küchentätigkeit – weswegen ich maximal zweimal im Jahr Kartoffeln kaufe –, aber das minutenlange Reiben gab meiner Geduld und vor allem meinen Handgelenken den Rest ... und das waren gerade mal die ersten zwei Arbeitsschritte!


Danach wurde es zum Glück einfacher. Man fügt lediglich 200 g Kokosraspeln, 250 g Rohrzucker, 200 g Mehl, 1 TL Zimt, etwas Muskat und 400 ml Wasser hinzu. Manche Rezepte sehen auch Vanillearoma vor, zudem scheint es auf Antigua und Barbuda zwei Lager in der Rosinenfrage zu geben, ein Glaubenskrieg, der mit jenem in Großbritannien bzgl. Scones zu vergleichen ist (erst die Clotted Cream, dann die Marmelade, oder umgekehrt?). Ich habe, obschon Fan, die Rosinen weggelassen, denn die Masse, die man zusammenrührt, fällt süß genug aus. Mit den Händen formt man nun Bollen, die man auf ausreichend großen Stücken Alufolie ausbreitet:


Hier schwante mir bereits, dass der "Teig" viel zu flüssig geraten war, um einen schnittfesten Knödel zu zeitigen, und das, obwohl ich noch reichlich Mehl nachgeschüttet hatte. Doch wacker fuhr ich fort und umschloss drei Häufchen wasserdicht mit Folie. Traditionell werden übrigens Bananenblätter zum Umhüllen verwendet, jedoch frage ich mich, wie man damit ein Eindringen von Wasser verhindern soll, wenn man diese Technik nicht von der Pike auf gelernt hat. Das nämlich ist der finale Schritt: Die Päckchen werden in einen Topf mit kochendem Wasser gesetzt. Nach 25 Minuten – so lange soll es laut Anleitung dauern – nahm ich eines heraus und öffnete es: Die Masse war immer noch zähflüssig. Als sich auch nach einer Dreiviertelstunde keine Veränderung des Aggregatzustandes zeigte, betrachtete ich das Kochexperiment als gescheitert. Zugegeben, Ducana schmeckt köstlich, aber von der Rohversion mochte ich nicht mehr als ein paar Löffel zu mir nehmen. Wenigstens die Beilage konnte ich verzehren, bzw. das, zu dem das Ducana als Beilage dienen sollte: Rahmspinat. Solchen isst man in Antigua und Barbuda tatsächlich, neben Salzfisch, am liebsten zu den zuckrigen Knödeln. Den Spinat, nach einem französischen Rezept (épinards à la crème), hatte ich parallel zubereitet, allerdings recht mühelos mit dem Thermomix; die entsprechenden Schritte brauche ich nicht auch noch zu erwähnen. Man kann freilich eh zu den bewährten Tiefkühlprodukten, mit oder ohne "Blubb", greifen. Und die restliche Ducana-Masse? Landete nebst jeder Menge Aluminiumfolie im Mülleimer. Seufz.

Donnerstag, 27. März 2025

TITANIC vor zehn Jahren: 4/2015

Hurra, ein Titelgemälde von Rudi Hurzlmeier ...


... mit einer Zeile von der Redaktion und etwas, das wir Profis One-Two Punchline nennen: Nach der Hauptpointe kommt eine zweite Ebene, hier markiert durch die geringere Schriftgröße.

Ebenso stark finde ich den lange als Kandidat für die U1 vorgemerkten und ebenfalls handgezeichneten (von Leo Riegel) Rücktitel:


Ganz recht, lange vor Corona bewegte das Thema Impfen bzw. Verweigerung desselben vor zehn Jahren das Land. Die Rückkehr von Masern & Co. griff denn auch der Aufmacher des Aprilheftes auf. In der Rubrik "TITANIC Telefonterror" riefen Elias Hauck, Moritz Hürtgen und ich als Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums bei Privatpersonen "in den größten Problembezirken (Prenzlauer Berg, Berlin)" an und behaupteten, wir hätten über das Leitungswasser "Booster-Impfungen durchgeschickt".


Nachdem angekündigt worden war, dass das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin Anfang 2016, unmittelbar nach Erlöschen der Urheberrechte, eine kritische Edition von Hitlers "Mein Kampf" herausbringen würde, ging das Team Wolff/Hauck/Riegel noch einen Babyschritt weiter:


Ich mag diese rare Kollaboration sehr, das zeichnerische Zusammenspiel von Hauck und Riegel funktioniert prächtig.

Eine der letzten Gemeinschaftsarbeiten des zu diesem Zeitpunkt längst etablierten, geradezu legendären Duos Tietze/Rürup wiederum findet sich auf S. 44f.: Es geht um das defizitäre deutsche Katastrophenwarnsystem und die für 2015 angekündigte Warn-App.


Der diesmonatige "Das kommt mir doch bekannt vor"-Moment! Ganz Europa streitet im Jahr 2025 über Kriegstüchtigkeit, Wehrpflicht und Militärbündnisse. Und 2015? Forderte EU-Kommissionspräsident Juncker eine gemeinsame EU-Armee ("auch als Signal an Moskau", tagesschau.de). Moritz Hürtgen und ich veranschaulichten diese Vision auf der Doppelseite 34/35:


Neben Putins Truppen machte der Welt im letzten Jahrzehnt aber vor allem die Organisation Islamischer Staat Angst.


Ich möchte in diesem Zusammenhang auch an meinen Startcartoon hinweisen, den ich völlig vergessen hatte, aber ganz unbescheiden ziemlich schnafte finde.

Zu guter Letzt wiederhole ich mein Lob von vor ein paar Monaten für etwas, das in modernen Ausgaben leider vernachlässigt wird: Wegwerfgags in Form von Viertel- oder Achtelanzeigen in den "Briefen an die Leser", wie diese hier aus meiner Feder:


Weiteres Notierenswertes
- Beim Wiederlesen extrem erheitert hat mich Michael Ziegelwagners ebenfalls in den "Briefen" untergebrachte Parodie der SZ-Rubrik "Das Streiflicht" ("Das Steiflicht").
- Auf den Seiten 36 bis 39 kommt das heimliche Highlight des Heftes: die Wiedergeburt des unter Sonneborn regelmäßig geführten "Expertengesprächs" (damals mit dem zu früh verstorbenen Unikum Octo). Tom Hintner, Tim Wolff, Andrea Diener von der FAZ und ich (gute Güte, habe ich in diesem Monat viel gemacht!) diskutierten über Schlafkleidung. Allein für die Fotos lohnt sich die Anschaffung dieses Titanic-Exemplars. Offenlegung: Meine Gewohnheit hat sich seitdem geändert; ich trage heute selbst im Sommer fast ausschließlich Pyjamas.
- Den in der "Humorkritik" vorgestellten "Lieblingsvergleich" (S. 47) habe ich im Something-Awful-Forum entdeckt.
- Wir treten in die Ära von "55ff" ein, in der die Zahl der Beitragenden ins Alberne steigt. Acht Leute haben an dieser Ausgabe mitgewirkt, bei gerade mal zehn Beiträgen (wobei als Beitrag auch Miniaturen wie "Unsere Umlaute" zählen). Herrje!
- David Schuhs Abrechnung mit Matthias Opdenhövel ("Der unfaßbar normal Gebliebene", S. 58f.) darf als Klassiker der Mediennasenkritik gelten und wird u.a. von Stefan Gärtner zu Recht sehr geschätzt und immer wieder zitiert.
- Erste Folge von Heinz Strunks "Intimschatulle". Was für eine Wohltat, was für eine erfrischende Abwechslung nach zig Ausgaben "Strunk-Prinzip"!
- Ob Ernst Kahls altmeisterliche Heilands-Verunglimpfung (U3) wohl für einen veritablen Skandal gesorgt hätte, wäre sie prominenter platziert gewesen?

Schlussgedanke
Wow, ein herausragend eklektisches, wagemutiges, turbulentes Heft! Mein Favorit im laufenden Jahrgang bis jetzt.

Mittwoch, 26. März 2025

In der Schärfe liegt die Würze

Ich nasche gerne Wasabinüsse. Zahlreiche Produkte buhlen um meine Gunst, doch erfuhr ich vor Jahren aus einem Fernsehbeitrag – den ich auf Anhieb auf Youtube wiedergefunden habe; er stammte aus der Sendung "ZDFbesseresser" –, dass es sich bei den in unseren Supermärkten erhältlichen Sorten durchweg um Mogelpackungen handelt. "Von exotischem Wasabi kaum eine Spur", lautete das Resümee. "Um den scharfen Wasabigeschmack und die leuchtend grüne Farbe zu imitieren, trickst die Industrie ordentlich": Geringer Erdnussanteil, noch geringerer Wasabi-Anteil bis zum Nichtvorhandensein (Ersatz durch Senf- und sonstige Aromen plus Farbstoff; "Wasabi-Style" o.ä. schreibt man dann kleinlaut auf die Packung), und das bei teils völlig überzogenen Preisen.

Nun fiel mir ein französisches Produkt in die Hände, das nicht nur verblüffend preiswert war, sondern einen Wasabi-Anteil von 0,3 Prozent versprach! Zum Vergleich: Die Nüsse von "Rewe Beste Wahl" weisen "nur homöopathische 0,003 Prozent Wasabi" (Foodwatch) auf. Und wahrlich, das merkt man! Die Meerrettichnote ist so dominant, dass man gar nicht erschmecken kann, womit die grünen Bollen überhaupt gefüllt sind.


Entgegen dem, was der Serviervorschlag ("suggestion de présentation") nahelegt, stecken weder Aprikosen noch Pistazien in der Teigumhüllung, sondern ausschließlich Erdnüsse (arachides). Doch wie gesagt: Selbst wenn da etwa eine Trockenfrucht drin wäre, würde ich sie nicht erkennen. Obendrein ist der pikante Knuspermantel nämlich ziemlich dick. Dennoch beträgt der Nussanteil ordentliche 37 Prozent, das sind zehn Prozentpunkte mehr als in den Rewe-Nüssen.


Von der Packung werde ich noch lange zehren. Mehr als fünf dieser Snackeinheiten kriege ich nicht runter, bevor ich mit Tränen in den Augen nach Luft schnappe. Das weckt die Lebensgeister, das pustet die Nebenhöhlen durch – herrlich!

Montag, 24. März 2025

Lutetia, Brunswick & Co.

Im Jahr 2016 fotografierte ich diesen Leserbrief eines Herrn O. aus H. ab:


Dem Abschnitt über Nizza kann ich etwas hinzufügen. Zufällig kurz nachdem ich beim Handyspeicherausmisten auf dieses Foto gestoßen bin, hörte ich nämlich in einem Zug einen Mann telefonieren, der zwar italienisch sprach, aber sowohl "Nice" statt "Nizza" als auch "Menton" statt "Mentone" sagte! (Die italienische Form Mentone ist mir überhaupt bisher nur ein einziges Mal untergekommen, nämlich in einem Roman von Dorothy Sayers. Ende der 1930er Jahre war das, zumindest in England, offenbar noch die bevorzugte Schreibweise, obwohl Menton bereits 1861 Frankreich eingegliedert wurde.)

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass Ortsnamen politischen Sprengstoff bergen können, man denke an aktuelle Debatten à la "Kiew vs. Kyjiw". Nicht selten spielt Subjektives, Biographisches, Persönliches hinein, wenn es um die Bevorzugung der einen oder der anderen Variante geht; Robert Gernhardt nennt im Bericht einer 1993 begangenen Estlandreise seine Heimatstadt konsequent "Reval". Generell halte ich es bei der Frage Exonym oder Endonyme pragmatisch. Ich sage "Bratislava", weil ich mir sicher bin, dass acht von zehn Gesprächspartnern mit "Pressburg" nichts anzufangen wüssten; ich sage "Danzig", weil mir das leichter von der Zunge rollt als "Gdansk"; und ich sage "Thiruvananthapuram" statt "Trivandrum", weil ich mich als Freund und Kenner von Bharat zu erkennen geben möchte, haha.

Samstag, 22. März 2025

Möhren

Möhren, Karotten, Mohrrüben ... Ich verwende die verschiedenen regionalen Bezeichnungen für die orangefarbenen Pfahlwurzeln wahllos durcheinander. So oder so bin ich kein riesen Fan des Gemüses. Wenn ich eine Möhre knabbere, fühlt sich das zwar stets gesund an, aber auch irgendwie falsch. Wie beim Verzehren einer rohen Paprikaschote bin ich jedes Mal froh, wenn es vorbei ist. Wie die Paprika hat freilich auch die Mohrrübe ihre Daseinsberechtigung. Bisweilen brauche ich eine oder zwei für ein Rezept. In solchen Fällen würde ich gerne eine oder zwei kaufen, leider gibt es, zumindest in den meisten Supermärkten, Karotten nur in Zehnkilosäcken. Wo und wie bewahrt man so viele Möhren auf? Diese Frage wusste der Aufdruck auf einem 1-kg-Beutel, den ich letzte Woche bei Rewe erstand, zu beantworten:


Ich liebe, dass das Wort "bitte" in Versalien gesetzt ist: Tun Sie die Möhren in den Kühlschrank, WIR FLEHEN SIE AN! Einwand: Wenn die Lagerung im Kühlschrank die bevorzugte ist, wieso steht auf dem Siegel rechts "kühlschrankgeeignet"? Das ist ja, als würde man auf eine Packung Grillwürste schreiben "UNBEDINGT IN DER PFANNE BRATEN", und daneben prangte ein Label "pfannengeeignet".

Donnerstag, 20. März 2025

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Asteroid City
Dieses extrem wesandersonnige Wes-Anderson-Meta-Theaterstück von 2023 habe ich auf einem Flugzeugmonitor gesehen, was die Strahlkraft der grandiosen Cinematography ein wenig geschmälert haben mag. Die pastellfarbenen Bauten in der US-amerikanischen Wüste (wo genau eigentlich? Ich glaube, der Bundesstaat wird nie genannt) machen selbst im Briefmarkenformat was her. Zu den neckischen Details in diesem eindrucksvollen Setting gehört u.a. ein Roadrunner, der mit seiner berühmtesten Verkörperung in der Popkultur ("Meep-meep!") mehr gemein hat als mit einem echten Rennkuckuck. Auch an den Dialogen kann man sich erfreuen, und natürlich an dem schon fast übertrieben prominenten Cast.

The Watchers
... stand nicht unbedingt auf meiner Watchlist, vor allem weil ich in zwei Kritiken gelesen habe, dass dieser Mystery-Thriller "vorhersehbare" Twists aufweise, aber da er ebenfalls im In-Flight-Entertainment zur Auswahl stand, habe ich ihm eine Chance gegeben. Zunächst einmal: Ich habe keinen der Twists erwartet, ja ich habe kaum was erwartet, weil ich über die Handlung so gut wie gar nichts wusste. Man muss ihr einige Freiheiten zugestehen: Das Ausgangs-Szenario ist ein übernatürliches und wirft selbst bei erhöhter suspension of disbelief diverse Fragen auf, etwa "Wovon ernähren sich die 'Gefangenen'?", "Wo waschen sie sich?" etc. Womöglich hätte man auch das Ende etwas eindampfen können.
Trotzdem: Ich habe schon weitaus blödere Horrorstreifen gesehen. Die Waldatmosphäre ist angenehm gruselig, hier zeigt die von mir schon für "Servant" gelobte Regisseurin Ishana Night Shyamalan, was sie kann.

Ant-Man and the Wasp: Quantumania
Und schließlich nutzte ich das Bordprogramm (es war ein sehr langer Flug), um die Ant-Man-Trilogie abzuschließen, deren erste zwei Drittel mir ja viel Vergnügen bereitet hatten.
Bei Gott, ich habe innerhalb einer Franchise noch nie so einen Qualitätsabfall erlebt. "Ant-Man" 1 und 2 waren im besten Sinne familientauglich, "Quantumania" ist Kinderkram. Vor allem war das Spaßige an den Vorgängern, dass man die uns bekannte Welt aus einem ungewohnten Blickwinkel, dem eines auf Insektengröße geschrumpften Menschen, gesehen hat. Durch kreative Makroaufnahmen hat man die Wunder der Natur und des urbanen Raumes mit offenem Mund neu entdeckt. Teil 3 spielt fast von vorne bis hinten in der Quantenwelt, die zwar mit abgefahrenen Bewohnern gefüllt ist, zu der ich als Zuschauer aber keinen Bezug habe und auch nicht aufzubauen imstande bin. Von der Handlung zu schweigen: "Quantumania" stellte, wie ich Wikipedia entnehme, den Auftakt zur fünften MCU-Phase dar. Tja, von mir aus. Mich lässt das alles kalt. Paul Rudd nimmt mich mit seinem Charme und Humor nach wie vor ein, freuen kann man sich auch über Bill Murray, als Gesamtpaket sind diese zwei Stunden jedoch der reine Stuss. Kappes, Mist, Dummfug, vertane Lebenszeit. Immerhin Michelle Pfeiffer sollte man mit Preisen überhäufen. Mit GOLDENEN HIMBEEREN!

UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung (OT: UHF)
Auch diesem Film habe ich mich unter besonderen Umständen ausgesetzt: Ich war hundemüde, musste ihn aber schauen, da er wenige Stunden später aus der Amazon-Prime-Videothek verschwand. Das tat ich zudem im Bett liegend, so dass mir wiederholt die Augen zufielen. Das, was ich mitbekommen habe, war aber sympathisch und gute Laune machend. Weird Al Yankovic spielt die Hauptrolle in dieser Komödie von 1989, in der übrigens auch die damals noch nicht abgedriftete Victoria Jackson einen größeren Part innehat. Das unbeschwerte Eighties-Feeling vermittelt sich so gut wie die Kino- und Radioleidenschaft aller Beteiligten. Nur bei wenigen Gags dachte ich 'Hm, würde man heute nicht mehr bringen'.

Lake George
Wieder mal ein Fall von "Wieso lief diese Perle völlig unter dem Radar???". Ich meine: Nichts, wo Carrie Coon und Shea Whigham mitspielen, kann wirklich schlecht sein. Dass "Lake George" nach seiner US-Kino- und VoD-Premiere Ende letzten Jahres jedoch so gut wie gar kein Echo fand (einen deutschen Release gab es meines Wissens nicht), ist eine Schande.
Genre: Thriller-Drama mit Romanzen-, Komödien- und Roadmovie-Anleihen.

Hallo Spencer – Der Film
Hier bin ich gewissermaßen befangen, weil ich mit zweien der Drehbuchautoren befreundet bin. "Hallo Spencer" enthält viel Schönes, reichlich Sentimentales, einiges Witziges. Von Letzterem mehr und Vorletzterem weniger hätte dem TV-Film gut getan und wäre, wie ich weiß, auch im Sinne der Macher gewesen. Dennoch: Es geht um eine vergessene Kinderserie, ausrangierte Klappmaulpuppen und einen alten Zeiten nachhängenden Künstler, da sind Nostalgie und Schwermut programmiert.
Die Sets sind herzallerliebst, Rainer Bock ist absolut glaubwürdig, und eine Gesangseinlage von Dirk von Lowtzow hat mich mehr berührt, als ich es für möglich gehalten hätte.

Susan … verzweifelt gesucht (OT: Desperately Seeking Susan)
Die "Susan" im Titel dieser in Amerika offenbar Kultstatus genießenden Verwechslungskomödie wird gespielt von ... Madonna (die in einer Szene zu einem Lied von Madonna tanzt). Die Hauptrolle hat Rosanna Arquette übernommen, in weiteren, kleineren Rollen sind Laurie Metcalf, John Turturro, Giancarlo Esposito und Steven Wright (!!!) zu sehen. Ha-ha funny ist Susan Seidelmans 1985er BAFTA- und Golden-Globe-nominiertes Werk nicht unbedingt, aber ich mochte die ausgeklügelte, wendungsreiche Handlung, die Roger Ebert angeblich "verwirrend" fand. Ich habe, glaub' ich, alles verstanden, nur einmal habe ich zwei männliche Charaktere verwechselt.

Albert Brooks: Defending My Life
Man macht sich hierzulande gar keinen Begriff davon, wie einflussreich und wichtig Albert Brooks für die US-amerikanische Comedy war. Sein bester Freund, der nicht weniger bedeutsame Regisseur Rob Reiner, hat dem inzwischen 77-Jährigen 2023 für HBO ein Denkmal gesetzt. Eine erhellende, abwechslungsreiche, zackige Doku mit vielen O-Tönen komischer Menschen und legendären Film- und Fernsehmomenten.

Kings of Hollywood (OT: The Comeback Trail)
Ein anderes Urgestein läuft in dieser schwarzen Klamotte zu später Höchstform auf: Robert De Niro hat diebische Freude in seiner Rolle als abgehalfterter Hollywood-Produzent, der über Leichen geht, um seine horrenden Schulden zu begleichen. Knittergesicht Tommy Lee Jones als Westernheld ist nicht minder herrlich. Morgan Freeman und Zach Braff sind auch am Start, und es gibt eine wunderbare Tom-Cruise-Parodie.

Der große Eisenbahnraub (OT: The [First] Great Train Robbery)
Zum Abschluss noch ein Klassiker. Im Laufe der Jahrzehnte erblickten mehrere "Eisenbahnraub"-Spielfilme das Licht der Kinowelt. Dieser hier ist die Michael-Crichton-Version von 1979: Crichton hat seinen eigenen Roman verfilmt (Drehbuch & Regie: Crichton), Sean Connery, der damals als Sexsymbol galt und dies auch nach gefühlt fünf Minuten qua Entkleidung beweisen muss, gibt den Gentleman-Dieb, Donald Sutherland seinen Komplizen. Ein launiger Caper-Movie, in dem lediglich die unnötige Tötung einer Nebenfigur die Gaudi bremst. Die vereinzelte Langatmigkeit wird im Laufe der 110 Minuten durch gefällige Actionszenen aufgebrochen.

Dienstag, 18. März 2025

Immer wieder King

Nachdem es schon vorgestern um die Kurzgeschichtensammlung "Ihr wollt es dunkler" ging, soll hier meine Gesamteinschätzung von Stephen Kings zuletzt erschienener Einzelveröffentlichung folgen. Ich habe wahrscheinlich schon einmal geschrieben, dass ich Kings Kurzprosa noch mehr schätze als seine Romane. Zumindest wurde ich noch nie von einem seiner Short-Story-Bände enttäuscht, während mir einige (wenige) der Langformriemen nicht ganz so sehr zusagten. Auch "You Like It Darker" ist mindestens solide. Ein bisschen "mehr vom Gleichen" hier, ein paar echte Überraschungen da (u.a. die Rückkehr einer Figur aus einem früheren Werk), dazwischen immer wieder Beweise dafür, dass der Altmeister es noch draufhat.

Ich kann und möchte die einzelnen Geschichten nicht mit Worten bewerten und benutze deshalb erstmals etwas, dem die Würze der Kürze innewohnt und das mich gleichzeitig zu entschlossenen Meinungen zwingt: Sterne! Sie mögen sowohl der Diskussionsanregung dienen als auch der Entscheidungsfindung, falls jemand nicht den ganzen Wälzer lesen möchte.

Zwei begnadete Burschen (Two Talented Bastids) ★★★★☆
Der fünfte Schritt (The Fifth Step) ★★★★☆
Willie der Wirrkopf (Willie the Weirdo) ★★☆☆☆
Danny Coughlins böser Traum (Danny Coughlin's Bad Dream) ★★★★★
Finn (Finn) ★★★☆☆
Auf der Slide Inn Road (On Slide Inn Road) ★★★☆☆
Das rote Display (Red Screen) ★★★☆☆
Ein Fachmann für Turbulenzen (The Turbulence Expert) ★★★☆☆
Laurie (Laurie) ★★☆☆☆
Klapperschlangen (Rattlesnakes) ★★★☆☆
Die Träumenden (The Dreamers) ★★★★☆
Der Antwortmann (The Answer Man) ★


Sonntag, 16. März 2025

In die Röhre gesprochen

In der Geschichte "Die Träumenden" in Stephen Kings letztem Kurzprosaband "Ihr wollt es dunkler" ("You Like It Darker") erwähnt der Ich-Erzähler, der als Stenograf beschäftigt ist, dass er bei seiner Arbeit gelegentlich eine Stenomaske tragen muss. 'Was zur Hölle ist eine Stenomaske?', fragte ich mich.

"Eine Stenomaske wird verwendet, wenn Gespräche zwischen mehreren Personen von einer anderen Person aufgezeichnet oder gedolmetscht werden, insbesondere beim Simultandolmetschen", weiß die Webseite Konferenztechnik.de. "Die dicht am Mund des aufzeichnenden Sprechers anliegende Maske lässt zum einen nur die Worte des aufzeichnenden Sprechers in die Aufzeichnung oder Übertragung einfließen und verhindert zum anderen einen akustischen 'Echoeffekt' durch das ständige Nachsprechen im selben Raum für die eigentlichen Gesprächsteilnehmer." Die Markteinführung folgte 1954 in den USA (die King-Geschichte spielt im Jahr 1971).

Noch nie in meinem Leben habe ich dieses Utensil im Einsatz gesehen, weder in der Fiktion noch im echten Leben. Es ist ein ulkiger Anblick, man denkt an Gasmasken, Aliens und Bane aus dem Batman-Universum. Überzeugt euch selbst: Bildersuche "Stenomaske".

Freitag, 14. März 2025

Albernes zum Wochenschluss

Lustiger Tipp zum Umgang mit Menschen
Man kennt das ja: Da äußert jemand einen nicht besonders klugen Satz, und ein sich clever wähnender Zeitgenosse entgegnet etwas in der Art von: "Ach was, Einstein?!" Viel besser als diese ironische Betitelung mit dem Namen eines berühmten Genies fände ich aber die völlig willkürliche Anrede mit berühmten Namen, und zwar in allen möglichen Situationen. Ist klar, was ich meine? Nein? Hier ein paar Beispiele:
- "Kannst du bitte noch lauter reden, Frau von der Leyen!"
- "Wohoho, Nikola Tesla hat angerufen!"
- "Du bist doch besoffen wie Clara Schumann!"
- "Tolle Hose, Brian Eno!"

(Original geschrieben am 5.10.2011)

Mittwoch, 12. März 2025

Immer wieder Jim

Die neue Ausgabe des Podcasts "The Dollop" befasst sich mit dem US-Schauspiler Jim Caviezel, der zuletzt mit dem mindestens fragwürdigen, weil mit QAnon-Fantasien unterfütterten Thriller "The Sound of Freedom" in die Kritik geriet (aber auch überaus erfolgreich war). Noch habe ich die Folge nicht gehört, bin aber schon gespannt auf wahnwitzige Caviezel-Fakten.

Ich habe ja immer noch die famose Network-Serie "Person of Interest" in der Mache und überlegte, nachdem die ideologischen Irrwege des "Passion Christi"-Stars ans Licht gekommen waren, ob ich damit nicht aufhören sollte. Nur, dachte ich, wäre das nicht ungerecht gegenüber all den anderen kreativen Köpfen, die an den fünf Staffeln mitgewirkt haben? Die Frage nach der Trennung von Werk und Künstler muss man von Fall zu Fall entscheiden. Sachen, in die Neil Gaiman involviert ist, kann ich inzwischen tatsächlich nicht mehr konsumieren, da wird mir schlecht. Fakt ist: Jim Caviezel ist in "Person of Interest" großartig und passt so perfekt in seine Rolle wie die übrigen Ensemblemitglieder in die ihren.

Fakt scheint auch zu sein: Der Mann hat schlicht nicht alle Murmeln beisammen. Schon vor Monaten habe ich einen Twitter-Thread mit Jim-Anekdoten gescreenshottet, und wann wäre eine bessere Gelegenheit, diese mit euch zu teilen? Viel "Vergnügen"!

Montag, 10. März 2025

Koreanischstunden

Die Übersetzerin Ki-Hyang Lee hat mehrere Romane der südkoreanischen Nobelpreisträgerin Han Kang ins Deutsche übertragen. Erwartbarerweise gibt es immer wieder "Nuancen im Originaltext von Han Kang, die in der Übersetzung schwer vollständig wiederzugeben sind", zitiert die Süddeutsche Zeitung sie in einem lesenswerten Artikel vom 24. Februar (online nur hinter Paywall), der sich mit Schwierigkeiten der Übersetzung aus fernöstlichen Sprachen in europäische befasst.

Beispiel Japanisch: Der Roman "Schneeland" des ersten japanischen Literaturnobelpreisträgers Yasunari Kawabata beginne bereits mit einem extrem vertrackten Satz (der hier nicht auf Japanisch reproduziert zu werden braucht).

Die klassische Übersetzung des US-Japanologen Edward Seidensticker lautet: "The train came out of the long tunnel into the snow country." Also: "Der Zug kam aus dem langen Tunnel in das Schneeland." Es ist bei Seidensticker, als würde der Erzähler den Zug aus dem Tunnel fahren sehen. Aber im japanischen Original ist vom Zug keine Rede, es gibt im ersten Satzteil kein Subjekt. Einen Erzähler von außen gibt es auch nicht. Japaner lesen im Originalsatz die Stimmung, die man erlebt, wenn man nach einer Fahrt im Tunnel von der schneelosen Seite des Berges auf die verschneite Seite kommt. Tobias Cheung hat den Satz in der Suhrkamp-Auflage von 2011 möglichst wörtlich übersetzt: "Jenseits des langen Tunnels erschien das Schneeland." Trotzdem: Die wahre Tiefe dieses Romananfangs liegt wohl nur in Kawabatas Japanisch.

"Kein Subjekt"? Das würde ich mir gerne genauer erklären lassen, aber ich glaube es einfach mal. Nicht minder staunen ließ mich die Tatsache, dass die Übersetzerin von Han Kangs Debutroman "Chaesigjuuija", die Britin Deborah Smith, erst sieben Jahre, bevor sie das Werk ins Englische übertrug ("The Vegetarian"), angefangen hatte, Koreanisch zu lernen! Dementsprechend unperfekt geriet die Übertragung denn auch, zumindest nach Ansicht von Fachleuten, die der englischsprachigen Fassung ein Übermaß an "Adverbien, Superlativen und anderen Veranschaulichungen" beschied. Man darf hier dennoch einwerfen: "Oder bringt gerade dieser Unterschied das Verständnis des internationalen Publikums?" Am Ende stellte sich der Ruhm schließlich dank des Vorhandenseins von Übersetzungen, deren Anfertigung übrigens stets von der Autorin begleitet wird, ein. Man muss halt einsehen: "Eine Übersetzung kann nie größer werden als das Original." Muss sie auch nicht.

Sonntag, 9. März 2025

Der gute Sonntagslink

Neulich bei "American Rust":



[...]


Wohl wahr! Nach neun Jahrzehnten und unzähligen Iterationen ist die Juniordetektivin noch immer eine unkaputtbare Säule der amerikanischen Popkultur. In Folge 3 von "Seitenstraße" habe ich ja ein bisschen was über die Reihe erzählt. Nun bin ich durch Zufall auf einen Longread von 2018 gestoßen, der einige Aspekte der Franchise vertieft; wobei, mit acht Minuten Lesezeit ist es nicht wirklich ein Longread ... ein "Middleread" vielleicht? Jedenfalls: "The Secret Syndicate behind Nancy Drew" ("JSTOR Daily", englisch).

Mittwoch, 5. März 2025

Komma runter!

Im "Sprachlabor" der Süddeutschen Zeitung ging es letztens lang und breit um die Frage, wie man eine gewisse, meist mündlich verwendete Phrase korrekt verschriftlicht:

[B]ei der Redensart "Geht nicht gibt's nicht" [...] entscheidet ein Komma über Sinn oder Nichtsinn. Im Streiflicht war sie in der Version "Geht nicht, gibt's nicht" zu lesen. Das ist die gängigste Fassung [...]
Wozu nun der Lärm? Weil das Komma den Satz in sein Gegenteil verkehrt. Bei Geht nicht gibt's nicht ist Geht nicht ein ganz besonderes Akkusativobjekt. Während Sätze wie Der Bauer pflügt das Feld anstandslos ins Passiv – Das Feld wird vom Bauern gepflügt – gewendet werden können, führte das bei Geht nicht gibt's nicht zu der Albernheit Geht nicht wird nicht gegeben. Die alte Dudengrammatik spricht hierbei von "reinen Existenzialurteilen" und rückt unseren Satz in die Nähe von Es gibt einen Gott, dem ja auch kein Mensch die Passivform Ein Gott wird nicht gegeben verpassen würde.
Jedenfalls darf das Objekt Geht nicht vom Prädikat gibt's nicht so wenig durch ein Komma getrennt werden wie etwa Bielefeld von gibt's nicht oder Bangemachen von gilt nicht. Ohne Komma bedeutet der Satz, dass der Sprecher, die Sprecherin sich vom vermeintlich Unmöglichen nicht beeindrucken lässt: Ein "geht nicht" gibt es bei mir nicht, wär' ja noch schöner! Trennt man jedoch die beiden Elemente durch ein Komma, macht sich Resignation breit: Die Sache ist weder möglich, noch ist sie machbar.

'Endlich schreibt's mal jemand!', dachte ich da. Und kurz darauf: 'Augenblick! Habe nicht ich persönlich mich schon vor langer Zeit über diesen Interpunktionsunfall ausgelassen?' Ich durchwühlte mein Textarchiv, und tatsächlich habe ich 2005 (!) in einer unveröffentlichten "Glosse" (Wie ich neulich schon andeutete: Mitte der Nullerjahre war ich "offenbar vom Studium nicht ausgelastet" ...) dies notiert:

Komplett unfähig scheinen die Werbefritzen der Baumarktkette Praktiker zu sein. Die ersannen sich nämlich den vielversprechenden Leitsatz "Geht nicht, gibt's nicht". Analog dazu wurde im Fernsehen eine Kochsendung mit dem Titel "Schmeckt nicht, gibt's nicht" geboren.

Stichhaltig begründet habe ich meinen Ärger damals nicht, und ganz ehrlich: Auf die Begründung mit der Passivbildung wäre ich nicht gekommen. Fairerweise muss ich außerdem festhalten: Ich habe eben noch mal Promo-Poster und digitale Banner der VOX-Show recherchiert, und da war das Komma eben nicht eingezeichnet.

PS: Oh Mann, hatte Tim Mälzer vor zwanzig Jahren noch ein Babyface!

Montag, 3. März 2025

Eis, heiß, maybe?

Bei TYWKIWDBI erschien am Wochenende ein Beitrag über ein Phänomen, von dem ich noch nie gehört hatte: Tut man einen Eiswürfel in eine Mikrowelle und bringt diese zum Laufen, passiert dem Eiswürfel angeblich nichts, er bleibe auch nach zweieinhalb Minuten noch unaufgetaut.

Das wollte ich selbst überprüfen! Heute Morgen legte ich zwei Eiswürfel in meine Mikrowelle, drehte diese auf 750 Watt und ließ sie mindestens 1,5 Minuten ihre Arbeit tun. Das Experiment verlief wie folgt:

Vorher

Nachher

Wie man auf dem Beweisfoto sieht, war von den Eiswürfeln nichts mehr übrig außer eine Pfütze warmen Wassers. "Myth busted!", rief ich aus, fragte mich aber zugleich, wie der Blogger Minnesotastan – vorausgesetzt, er hat nicht getrollt – zu seinem verblüffenden Ergebnis gekommen war. Lag es daran, dass er parallel zu seinem Würfel eine Glastasse mit Wasser erhitzt hat? Spielt die Form eine Rolle? (Meine Test-Eiskörper waren keine richtigen Eiswürfel, sondern ein Pyramidenstumpf und ein Herz.)

Als ich beim Anlegen dieses Posts noch einmal bei TYWKIWDBI vorbeischaute, war die Kommentarspalte voll von Mitteilungen über Nachahmerversuche. Die Eiswürfel der Leserinnen und Leser waren ebenfalls mehrheitlich geschmolzen. Es wurden auch Links und Erklärungsansätze geteilt: "But it is true that the 'ice' molecules lack the mobility to react to the oscillating electric field that heat the 'liquid' molecules by making their little dipoles follow the oscillating field. For that they have to turn around a lot and really fast which means they have to move and that causes them to warm up. The field kinda makes them do jumping jacks which we all know makes us hot." Der Post wurde inzwischen entsprechend angepasst ("I modified the post to eliminate the phrase "nothing happens," substituting "unexpected").

Samstag, 1. März 2025

Serientagebuch 02/25

02.02. Bosch 2.06
03.02. This Country 1.01
06.02. This Country 1.02
Bosch 2.07
Twelve Monkeys 2.12
08.02. This Country 1.03
09.02. Lost 1.09 (RW)
10.02. This Country 1.04
Twelve Monkeys 2.13
11.02. The Hot Zone 2.01
Bosch 2.08
Bosch 2.09
12.02. The Hot Zone 2.02
Bosch 2.10
13.02. The Hot Zone 2.03
American Rust 2.01
Person of Interest 3.13
17.02. American Rust 2.02
American Rust 2.03
18.02. Family Guy 23.03
19.02. The Hot Zone 2.04
20.02. This Country 1.05
This Country 1.06
Person of Interest 3.14
21.02. American Rust 2.04
22.02. Squid Game 2.03
Squid Game 2.04
25.02. Family Guy 23.04
27.02. The Hot Zone 2.05
American Rust 2.05

Mit einer Pause von zweieinhalb Jahren, nachdem Twelve Monkeys einfach so aus der Prime-Videothek genommen worden war, konnte ich nun endlich die zweite Staffel zu Ende schauen. Zur Weihnachtszeit schenkte mir Amazon nämlich ein Guthaben in Höhe von 5,- €, und davon (sowie einer kleinen Zuzahlung) kaufte ich mir die restliche Season. Die komplexe Zeitreise-Story fordert nach wie vor den Verstand heraus und duldet keinen Moment der Unaufmerksamkeit. Dennoch konnte ich dem Plot einigermaßen folgen, denn er wird fokussiert und mit geordneten Strukturen erzählt. Jede Episode ist insoweit in sich abgeschlossen, als sie sich eine narrative Teilstrecke vornimmt: So, heute wird das abgehandelt, und am Ende leiten wir hierzu über. Zwangsläufig gibt es immer wieder Rückverweise und Anknüpfungspunkte, aber die versteht man in der Regel, dank zuschauerfreundlich rekapitulierender, aber nie aufgesetzt wirkender Dialoge sowie hilfreicher "Was bisher geschah"-Montagen zu Beginn jeder Folge. Der Look der verschiedenen Epochen, insbesondere der postapokalyptischen Zukunft, gefällt mir gut; man merkt zwar, dass die Syfy-Produktion kein riesiges Budget hatte, aber aus den zur Verfügung stehenden Mitteln wurde das Maximum herausgeholt.

Nach noch längerer (allerdings freiwilliger) Pause habe ich auch Bosch fortgesetzt. In dessen zweiter Staffel wird eine zusammenhängende Geschichte um einen ermordeten Erwachsenenfilmproduzenten, korrupte Cops und die armenische Mafia erzählt, die im Wesentlichen auf dem fünften Bosch-Roman basiert, den ich nicht gelesen habe. (Tatsächlich bin ich mit Michael Connellys Krimireihe überhaupt nicht vertraut. Sollte ich das mal ändern?) Ich hatte völlig vergessen, wie viele Nebenfiguren es im Bosch-Universum gibt. Allesamt sind mit Liebe zum Detail geschrieben, wirken geerdet und glaubhaft.
Kurzum: Kann man gucken. Gefreut hat mich vor allem, die ewig faszinierende Stadt der Engel mal nicht in Flammen zu sehen ...

Zum Schluss eine Britcom, die von 2017 bis 2020 in drei Staffeln lief. In der Mockumentary This Country begleiten wir das heranwachsende Cousin-Cousine-Gespann Kerry und Kurtan, das in einem namenlosen Dorf in den Cotswolds in den Tag hineinlebt. Es ist ein bestürzend inhaltsleeres und langweiliges Leben, das die beiden abgehängten, weder bauern- noch sonstwie schlauen Youngsters führen. Den BBC Studios ist das Kunststück gelungen, den einzigen Flecken des ruralen Englands aufgespürt zu haben, in den man sich nicht sofort verliebt. (Zumindest stelle ich mir die gesamte britische countryside pittoresk und charmant bis zum Zuckerschock vor.) Hauptdarstellerin Daisy May Cooper, die zusammen mit ihrem Serien-Cousin und Real-Life-Bruder Charlie Cooper für die Idee und sämtliche Drehbücher der vielfach ausgezeichneten Reihe verantwortlich zeichnet, sagte hinsichtlich des location scouting: "All the material is based around stuff that happens in Cirencester, but when we went to the channel they thought that Cirencester was a bit too big and Northleach [das letztlich der Drehort wurde] is a smaller village, and sort of isolates the characters a bit more. Makes them more claustrophobic."
Bei aller deprimierenden Grundstimmung gibt es doch reichlich zu lachen.