Dem Abschnitt über Nizza kann ich etwas hinzufügen. Zufällig kurz nachdem ich beim Handyspeicherausmisten auf dieses Foto gestoßen bin, hörte ich nämlich in einem Zug einen Mann telefonieren, der zwar italienisch sprach, aber sowohl "Nice" statt "Nizza" als auch "Menton" statt "Mentone" sagte! (Die italienische Form Mentone ist mir überhaupt bisher nur ein einziges Mal untergekommen, nämlich in einem Roman von Dorothy Sayers. Ende der 1930er Jahre war das, zumindest in England, offenbar noch die bevorzugte Schreibweise, obwohl Menton bereits 1861 Frankreich eingegliedert wurde.)
Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass Ortsnamen politischen Sprengstoff bergen können, man denke an aktuelle Debatten à la "Kiew vs. Kyjiw". Nicht selten spielt Subjektives, Biographisches, Persönliches hinein, wenn es um die Bevorzugung der einen oder der anderen Variante geht; Robert Gernhardt nennt im Bericht einer 1993 begangenen Estlandreise seine Heimatstadt konsequent "Reval". Generell halte ich es bei der Frage Exonym oder Endonyme pragmatisch. Ich sage "Bratislava", weil ich mir sicher bin, dass acht von zehn Gesprächspartnern mit "Pressburg" nichts anzufangen wüssten; ich sage "Danzig", weil mir das leichter von der Zunge rollt als "Gdansk"; und ich sage "Thiruvananthapuram" statt "Trivandrum", weil ich mich als Freund und Kenner von Bharat zu erkennen geben möchte, haha.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen