Donnerstag, 27. März 2025

TITANIC vor zehn Jahren: 4/2015

Hurra, ein Titelgemälde von Rudi Hurzlmeier ...


... mit einer Zeile von der Redaktion und etwas, das wir Profis One-Two Punchline nennen: Nach der Hauptpointe kommt eine zweite Ebene, hier markiert durch die geringere Schriftgröße.

Ebenso stark finde ich den lange als Kandidat für die U1 vorgemerkten und ebenfalls handgezeichneten (von Leo Riegel) Rücktitel:


Ganz recht, lange vor Corona bewegte das Thema Impfen bzw. Verweigerung desselben vor zehn Jahren das Land. Die Rückkehr von Masern & Co. griff denn auch der Aufmacher des Aprilheftes auf. In der Rubrik "TITANIC Telefonterror" riefen Elias Hauck, Moritz Hürtgen und ich als Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums bei Privatpersonen "in den größten Problembezirken (Prenzlauer Berg, Berlin)" an und behaupteten, wir hätten über das Leitungswasser "Booster-Impfungen durchgeschickt".


Nachdem angekündigt worden war, dass das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin Anfang 2016, unmittelbar nach Erlöschen der Urheberrechte, eine kritische Edition von Hitlers "Mein Kampf" herausbringen würde, ging das Team Wolff/Hauck/Riegel noch einen Babyschritt weiter:


Ich mag diese rare Kollaboration sehr, das zeichnerische Zusammenspiel von Hauck und Riegel funktioniert prächtig.

Eine der letzten Gemeinschaftsarbeiten des zu diesem Zeitpunkt längst etablierten, geradezu legendären Duos Tietze/Rürup wiederum findet sich auf S. 44f.: Es geht um das defizitäre deutsche Katastrophenwarnsystem und die für 2015 angekündigte Warn-App.


Der diesmonatige "Das kommt mir doch bekannt vor"-Moment! Ganz Europa streitet im Jahr 2025 über Kriegstüchtigkeit, Wehrpflicht und Militärbündnisse. Und 2015? Forderte EU-Kommissionspräsident Juncker eine gemeinsame EU-Armee ("auch als Signal an Moskau", tagesschau.de). Moritz Hürtgen und ich veranschaulichten diese Vision auf der Doppelseite 34/35:


Neben Putins Truppen machte der Welt im letzten Jahrzehnt aber vor allem die Organisation Islamischer Staat Angst.


Ich möchte in diesem Zusammenhang auch an meinen Startcartoon hinweisen, den ich völlig vergessen hatte, aber ganz unbescheiden ziemlich schnafte finde.

Zu guter Letzt wiederhole ich mein Lob von vor ein paar Monaten für etwas, das in modernen Ausgaben leider vernachlässigt wird: Wegwerfgags in Form von Viertel- oder Achtelanzeigen in den "Briefen an die Leser", wie diese hier aus meiner Feder:


Weiteres Notierenswertes
- Beim Wiederlesen extrem erheitert hat mich Michael Ziegelwagners ebenfalls in den "Briefen" untergebrachte Parodie der SZ-Rubrik "Das Streiflicht" ("Das Steiflicht").
- Auf den Seiten 36 bis 39 kommt das heimliche Highlight des Heftes: die Wiedergeburt des unter Sonneborn regelmäßig geführten "Expertengesprächs" (damals mit dem zu früh verstorbenen Unikum Octo). Tom Hintner, Tim Wolff, Andrea Diener von der FAZ und ich (gute Güte, habe ich in diesem Monat viel gemacht!) diskutierten über Schlafkleidung. Allein für die Fotos lohnt sich die Anschaffung dieses Titanic-Exemplars. Offenlegung: Meine Gewohnheit hat sich seitdem geändert; ich trage heute selbst im Sommer fast ausschließlich Pyjamas.
- Den in der "Humorkritik" vorgestellten "Lieblingsvergleich" (S. 47) habe ich im Something-Awful-Forum entdeckt.
- Wir treten in die Ära von "55ff" ein, in der die Zahl der Beitragenden ins Alberne steigt. Acht Leute haben an dieser Ausgabe mitgewirkt, bei gerade mal zehn Beiträgen (wobei als Beitrag auch Miniaturen wie "Unsere Umlaute" zählen). Herrje!
- David Schuhs Abrechnung mit Matthias Opdenhövel ("Der unfaßbar normal Gebliebene", S. 58f.) darf als Klassiker der Mediennasenkritik gelten und wird u.a. von Stefan Gärtner zu Recht sehr geschätzt und immer wieder zitiert.
- Erste Folge von Heinz Strunks "Intimschatulle". Was für eine Wohltat, was für eine erfrischende Abwechslung nach zig Ausgaben "Strunk-Prinzip"!
- Ob Ernst Kahls altmeisterliche Heilands-Verunglimpfung (U3) wohl für einen veritablen Skandal gesorgt hätte, wäre sie prominenter platziert gewesen?

Schlussgedanke
Wow, ein herausragend eklektisches, wagemutiges, turbulentes Heft! Mein Favorit im laufenden Jahrgang bis jetzt.

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