Freitag, 4. April 2025

Albernes zum Wochenschluss

Aus der Kulturgeschichte des Schlafens

Er ist aus dem modernen Arbeitsleben nicht wegzudenken: der Powernap. Ob Personalmanagerin, Apnoetaucher, Fernfahrer oder Herzchirurgin – sie alle lassen sich ihren nachmittäglichen Minutenschlaf nicht nehmen. Wäre dies ein Beitrag auf "Welt kmpkt" oder so, würde jetzt der Satz folgen "Powernaps sind eine relativ junge Erfindung", oder aber: "Dabei gibt es den Powernap schon länger, als du denkst! Ein Forschungsteam der Universität Basel hat Tausende zeitgenössische Handschriften aus dem 10. bis 13. Jahrhundert ausgewertet und Anhaltspunkte dafür gefunden …"

Uff, denkt man da, das arme Forschungsteam. Das ist nämlich die Crux der Geisteswissenschaften im Allgemeinen und der historischen Soziologie im Speziellen: Jeden Scheiß muss man sich aus zahllosen, teils fragmentarischen Primärquellen zusammenklauben. Deswegen hier mein exklusiver ZEITZEUGEN-SERVICE ZUM THEMA SCHLAFGEWOHNHEITEN DES 21. JAHRHUNDERTS:
Hallo, Forschende der Zukunft! Hiermit versichere ich an Eides statt, dass der Durchschnittsmensch unserer Zeit zwischen 22 und 0 Uhr ins Bett geht und dann sieben bis neun Stunden am Stück schläft. Dieser Satz reicht bis in alle Ewigkeit als verlässliches Zeugnis aus; keine weitere Recherche nötig! Gern geschehen.
Jedenfalls weiß man heute, dass im Mittelalter das sog. biphasische Schlafen angesagt war. Spätestens Schlag neun legte man sich hin, gegen Mitternacht stand man wieder auf, sprach ein paar Gebete, arbeitete auf dem Feld oder schlachtete ein Huhn, dann ratzte man in einer zweiten Phase bis zum Morgengrauen. Halt! Hinlegen ist das falsche Wort; der Mensch des Mittelalters ruhte im Sitzen, aus Angst, man könnte in liegender Position sterben. Das schloss man daraus, dass die meisten Toten, die man kannte, sich in der Horizontalen befanden (Friedhof), sofern sie nicht gem. mos teutonicus vor der Bestattung zerkocht, ausgenommen und/oder zerstückelt worden waren. Die Leute im Mittelalter hatten schon tüchtig einen an der Klatsche.

Geschlafen wurde eng an eng bei höchstens 10 °C in einem Multifunktionsraum, man trug dazu Sackleinen, Keuschheitsgürtel und eine Schicht aus getrocknetem Lehm. Wer es sich leisten konnte, holte sich einen wärmenden Esel in die Stube. Esel schliefen damals mit weit aufgerissenen Augen und im Stehen (Quelle: irgendein Holzschnitt).

Mittwoch, 2. April 2025

Serientagebuch 03/25

02.03. Lost 1.10 (RW)
Lost 1.11 (RW)
03.03. The Hot Zone 2.06
American Rust 2.06
04.03. Family Guy 23.05
05.03. Phone Shop 1.01
06.03. American Rust 2.07
07.03. Phone Shop 1.02
Severance 2.01
Severance 2.02
09.03. Lost 1.12 (RW)
Lost 1.13 (RW)
10.03. Phone Shop 1.03
Severance 2.03
Sverance 2.04
11.03. Family Guy 23.06
American Rust 2.08
13.03. Person of Interest 3.15
24.03. American Rust 2.09
American Rust 2.10
25.03. Severance 2.05
26.03. Family Guy 23.07
Person of Interest 3.16
27.03. Phone Shop 1.04
28.03. Phone Shop 1.05
Phone Shop 1.06
29.03. Severance 2.06
Severance 2.07

Die erste Staffel der National-Geographic-Produktion The Hot Zone lief bereits 2019. Die auf dem gleichnamigen Sachbuch basierende Geschichte um einen Beinahe-Ausbruch von Ebola auf US-amerikanischem Boden lehrte mich damals gehörig das Fürchten. Die zweite Staffel befasst sich, gemäß dem Anthologie-Prinzip, mit einem ganz anderen, aber ebenfalls realen Fall: der Milzbrand-Panik von 2001. Obwohl ich die Entwicklungen und Ereignisse nach dem 11. September live und recht intensiv verfolgt habe, konnte ich mich an viele Details nicht mehr erinnern. "The Hot Zone: Anthrax" ist weniger Medizin-Thriller denn Forensik- und Crime-Thriller à la "CSI", aber deshalb nicht weniger packend. Die charismatische Hauptrolle hat Daniel Dae Kim inne, den ich zurzeit dank "Lost"-Rewatch wieder öfter sehe (dazu mehr, wenn es so weit ist). Dass der mittlerweile 87-jährige Ridley Scott zum Produktionsteam von "The Hot Zone" gehört, hatte ich auch schon wieder vergessen.

Die zweite und leider letzte Season der von Showtime zu Amazon gewanderten Romanumsetzung American Rust wirkte etwas unfokussiert: Mehrere Handlungsstränge mit gleicher Gewichtung liefen nebeneinander her, ohne zu einem befriedigenden Ende zusammenzufinden. Zudem legten mindestens zwei Figuren des umfangreichen Personalkabinetts unpassende und unglaubwürdige Verhaltensweisen an den Tag. Streckenweise wurde es mir auch zu kompliziert. Diesmal stehen Fracking, Rache, ein Gefängnistrauma, ein Undercover-Einsatz und eigenhändige Ermittlungen im Zentrum; uff.
An den schauspielerischen Leistungen gibt's abermals nix zu mäkeln, und die Rust-Belt-Stimmung transportiert sich nach wie vor überzeugend.

Die britische Workplace-Comedy Phone Shop von 2009 ist manchmal etwas "drüber": hysterisch, geschmacklos, pubertär. In ihren besten Momenten ist die erste Staffel, der bis 2013 noch zwei weitere folgten, jedoch unverschämt lustig und clever geschrieben. Ort des Geschehens ist ein Handyladen auf einer Londonder High Street. Es ist die große Ära der SMS, der Klingeltöne und des Tarifkampfes, Smartphones erscheinen zwar schon am Horizont, spielen im Alltag aber noch keine Rolle. Insofern ist "Phone Shop" eine kuriose Zeitkapsel; die meisten Gags würden aber auch in jedem anderen Setting funktionieren.